Schule für Daoistische Künste, Bern
Geschichte
 

Geschichte des Yang Taijiquan Stils   


Taijiquan erhielt seinen Namen, weil die meisten Bewegungen zirkulär sind und an das Taiji-Symbol des Universums erinnern. Taiji heisst das grosse ultimative Prinzip, welches auch der Theorie des Taijiquan zu Grunde liegt und in der alten chinesischen taoistischen Philosophie erläutert wird. Nach dieser Theorie besteht Taiji aus zwei Elementen, Yin und Yang, sie sind komplementär und einem ständigen Wandel unterworfen. Das Konzept von Yin und Yang ist im Taijiquan erfahrbar als öffnen und schliessen, Leere und Fülle, einatmen und ausatmen, Festigkeit und Weichheit, ausdehnen und zusammenziehen, nachgeben und angreifen, usw.

Die legendäre Herkunft des Taijiquan wird dem Daoistischen Mönch Zhang Sanfeng der im 12. Jahrhundert in den daoistischen Klöstern des Wudang Gebirges gelebt hat, zugesprochen. Aber historischen Daten zu Folge liegt der Ursprung des Taijiquan in der chinesischen Provinz Henan, im Dorf Chenjiagou. Dort entstand in der Mitte des 17. Jahrhunderts der Chen Taijiquan Stil. Als Gründer gilt Chen Wangting (? – 1719). Er entwickelte die Übungen aus verschiedenen Quellen: aus den Theorien von Yin und Yang, aus einer Schrift über Kampfkunst von General Qi Jiguang (1528 – 1587) und aus alten Daoyin- und Tuna-Übungen (Tuna = Atemübungen).

Yang Luchan ist der Gründer des Yang Taijiquan Stils. Er lernte zuerst den Chen Stil von Chen Wangting. Später überarbeitete er das alte System des Chen Stils, arrangierte es neu und erschuf seinen eigenen Stil. Yang Luchan machte schließlich die von Chen Wangting überlieferte Kampfkunst in der Hauptstadt Beijing bekannt. Er und seine Söhne Yang Banhou (1837-1892) und Yang Jianhou (1839-1917) unterrichteten in Beijing eine kaiserliche Ausbildungsdivision, vor allem aber Verwandte des Kaiserhauses. Yang Banhou und Yang Jianhou entwickelten zusammen die 108er Form des Taijiquan.

Im letzten Jahrhundert veränderte sich das Taijiquan; die Bewegungen wurden entspannter, stetiger, gleichmässiger und graziöser, da der gesundheitserhaltende und therapeutische Aspekt der Übungen immer wichtiger wurde.

Yang Chengfu (1883-1936), Grosssohn von Yang Luchan veränderte den Yangstil nochmals. Die Yang Taijiquan Form ist die bei uns am weit verbreiteste Taijiquan Form.

1956 wurde eine vereinfachte Taijiquan Form in 24 Schritten entwickelt, die sich auf die Yangschule beruft. Diese Kurzform bedeutete eine grosse Stimulierung für die Popularisierung dieser Kunst.